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Zettkowski

An der Nase durch den Ring

An der Nase durch den Ring

Ist der irre?

Jetzt macht er also Ernst, der größenwahnsinnige Präsident aus Russland. Ich sitze hier und schüttele mit dem Kopf. Und natürlich weiß ich, dass weder Herrn Putin selbst, noch irgendeinen der Regierungsköpfe auf der anderen Seite interessieren wird, was ein Herr Zettkowski aus Berlin von der ganzen Angelegenheit hält. Ich sag’s euch trotzdem, denn seit Tagen schon kotze ich nur noch im Strahl. Ist denn der Wladimir Wladimirowitsch jetzt völlig verrückt geworden? Wie kann der denn glauben, dass er mit der hanebüchenen Harakiri-Aktion an der Grenze zur Ukraine durchkommt?

So verrückt ist der gar nicht

Das Problem an der ganzen Geschichte: Es scheint nur auf den ersten Blick so verrückt. Eine seltsame Rede ans eigene Volk, um die Leute hinter sich zu scharren. Ein paar Marionetten, die sich von Putins Gnade nun wie anerkannte Staatsoberhäupter fühlen dürfen und die vom Kreml-Despot irgendwann genauso klein gemacht werden wie seine Handlanger in Tschetschenien oder in den abtrünnigen Gebieten Georgiens.

Man kann die Zeit bereits ticken hören – der Countdown zum Einmarsch russischer Truppen in die Ost-Ukraine läuft bereits gen Null. Und natürlich wird sich die ukrainische Armee – egal, wie hoffnungslos unterlegen sie auch sein mag – nach allen Kräften wehren. Und ja, genau deshalb wird es wieder Krieg auf europäischem Boden geben.

Der Westen wird einen Teufel tun

Doch was wird der Westen machen? Wird er sich in diesen Krieg mit reinziehen lassen? Nein, wird er nicht. Es wird Konferenz um Konferenz geben. Es werden Sanktionen verhängt, Völkerrechtsverstöße werden kritisiert und aufs Schärfte verurteilt. Aber wird wirklich etwas geschehen? Wird der Westen (wer ist das überhaupt?), wird die EU, wird die NATO dieses Mal so eingreifen, dass der Ukraine geholfen wird? Nein. Einen Teufel werden sie tun – und genau das weiß der irre Machthaber aus Moskau.

So lange Putin die Hand am Gashahn hat, wird außer Worten und Sanktionen, die nur so weit gehen werden, dass sie nicht ins eigene Fleisch schneiden, nichts geschehen. Die russische Armee wird in der Ost-Ukraine einmarschieren, wird die Regionen Donezk und Luhansk unter ihre Kontrolle bringen. Und irgendwann wird das Gebiet dann bei der Tagesschau und den heute-Nachrichten genauso gestrichelt aussehen wie es die Krim seit 2014 tut. Darum scheren wird sich schon bald niemand mehr.

Ziel erreicht

Für Putin ist das Ziel dann erst einmal erreicht. Denn so lange seine Truppen auf ukrainischem Staatsgebiet stehen, wird das gebeutelte Land kein Mitglied der NATO werden. Dieses käme dann nämlich auf der anderen Seite einer Kriegserklärung aus Brüssel gleich. Und so hat der Russe das, was er von Anfang an wollte. Eine Pufferzone zwischen seinen Staatsgrenzen und der NATO. Schlimm genug, dass er diese Konstellation im Baltikum und in Polen nicht verhindern konnte.

Ähnlich wie bei der Besetzung der Krim wird der Westen also wieder zuschauen. Er wird verurteilen und irgendwann dann froh sein, wenn Gras über das Unrecht wächst. Und Herr Putin lacht sich ins Fäustchen. Er bezweckt nämlich genau dies.

Der Chor der Despoten

Demokratien sind um Frieden bemüht, stecken auch mal mit Vernunft zurück, wenn es zu haarig wird. Was zählt sind die Moneten. So lange der schnöde Mammon unter dem Strich stimmt, werden eben auch mal olympische Spiele in China abgehalten, Fußball-Weltmeisterschaften in Katar ausgetragen oder Formel-1-Rennen in Sotchi. Man müsse diese Länder mit einbinden auf dem Weg zu demokratischen Strukturen. Dass ich nicht lache. Und Herr Putin, Herr Lukaschenko und Herr Jinping lachen im Chor gleich mit.

Das Geld regiert

Sie lachen über das Versagen einer Politik, die eben längst nicht so sauber ist, wie sie sich das selbst immer auf die Fahnen schreibt. Menschenrechte, Freiheiten, Gleichberechtigung sind großartige Werte, die es in diesem Land, auch in Frankreich, den USA und weiten Teilen der EU zu verteidigen gilt und an denen wir alle uns zurecht orientieren. Doch machen wir uns nichts vor. Auch bei uns gilt: Die Freiheit des Andersdenkenden geht immer nur so weit, wie es sich finanziell dann auch irgendwie lohnt. Während in Russland Herr Putin die Macht fest in Händen hält, sind es bei uns nicht etwa Frieden, Freiheit und Demokratie, sondern schlicht und ergreifend das Geld.

Und da kann der liebe Herr Putin noch so verwirrt, irre und verrückt wirken – genau dies hat er begriffen. Am Ende ist unserer Macht-Elite ihr Geld nämlich wichtiger als ein freiheitliches Leben für alle. Genau das aber macht sie berechenbar und damit schwach. Zumal sie in dem Dilemma stecken: Wie verteidigt man eine friedliebende Welt, wenn man schon aus der eigenen Argumentation heraus auf Waffen verzichten möchte?

Auf einen neuen Versuch

Herr Putin hat einen Weg gefunden, die USA, die NATO und die EU wieder mit dem Rücken zur Wand zu drehen. Wladimir agiert, der Westen reagiert und die Ukraine kotzt. Das hat vor ein paar Jahren schon einmal funktioniert – warum nicht noch einmal so versuchen?!

Die Frage wird nur sein: Wann zieht man endlich den Schlussstrich? Wann erteilt man Herrn Putin endlich die klare Ansage: Bis hier hin und keinen Millimeter weiter! Dieses Mal wird an den Grenzen von Luhansk und Donezk zunächst Schluss sein. Aber was kommt dann in ein paar Jahren? Fällt dem russischen Machthaber dann ein, dass das Baltikum ja eigentlich doch auch zu Russland gehört? 

Die Grenzen aufzeigen

Im Grunde ist es mit Herrn Putin wie mit einem kleinen Kind, das so langsam ins Teenageralter kommt und merkt, dass es eben längst nicht mehr so klein ist, wie es vor ein paar Jahren noch war. Ein Kind, das merkt, dass auch der kleine Bruder China im Nachbarzimmer so langsam aufmuckt. Ein Kind, das die eigenen Grenzen erweitert und dabei Erfahrungen sammelt, wie weit es gehen kann. Die Erfahrungen aus der Pädagogik zeigen: Irgendwann ist die Zeit gekommen, dem Kind die Grenzen wieder aufzuzeigen und klare Ansagen zu machen. Genau diese Zeit ist jetzt gekommen. Sonst tanzt uns der missratene Teenager weiter auf der Nase herum und schmeißt uns irgendwann aus unserem eigenen Haus der Freiheiten und Werte.

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