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Zettkowski

Falsche Richtung

Falsche Richtung

Treffer zum Eigentor
Liest man sich heute die Kommentare in den sozialen Medien mal so durch, kommt unweigerlich der Gedanke auf: Da haben sich unsere Bundesregierung und die vielen Ministerpräsidentinnen und -präsidenten unseres Landes heute wohl ein ordentliches Eigentor geschossen.
Lösungen verschlafen

Dass etwas gegen die steigenden Infektionszahlen getan werden musste und muss – keine Frage. Und dass wir, die wir keine Experten sind, kein Allheilmittel auf dem Silbertablett präsentieren können?! Geschenkt! Doch die Frage muss erlaubt sein: Was haben unsere Politiker in den letzten sechs Monaten denn eigentlich wirklich getan?

Schulen und der ÖPNV

Wurden die Schulen und Kitas ausreichend mit Gegenmaßnahmen versorgt? Wurde die Wunderwaffe der Digitalisierung inzwischen soweit voran getrieben, dass eine erneute Schulschließung keinerlei Problem mehr darstellt? Ach so, nee – tut mir leid: Da war ja der Geistesblitz des Lüftens. Wenn man das im Winter nach Vorschrift durchführt, sind die Schulen und Kitas bald sowieso zu, weil alle krank zu Hause im Bett liegen….

Aber wurde der öffentliche Nahverkehr wenigstens derart ausgestattet, dass eine Ansteckung hier unmöglich wird? Wurden Plexiglasscheiben angebracht? Wird das Tragen einer Maske inzwischen flächendeckend überprüft?

Wer zahlt die Zeche?

Ach ja: Und was genau wurde denn gegen die Fleischindustrie nochmal genau unternommen? Hat sich Herr Tönnies inzwischen irgendwo verantworten müssen? Und was genau mussten die Hochzeitspaare nochmal bezahlen, die mit ihren privaten Großfeiern im Spätsommer ganze Landkreise lahmgelegt haben?
Nun ja, Überraschung, steht man also da: Die Zahlen steigen wieder, die Damen und Herren Politiker bekommen Schnappatmung und Karl Lauterbach darf wieder den mahnenden Giftzwerg spielen.

Die Falschen werden bestraft

Neue Ideen? Fehlanzeige! Stattdessen bestraft man schon fast reflexartig genau die, die in den letzten sechs Monaten eben nicht tatenlos rumgesessen haben. Man bestraft die, die ihre Kneipe, ihr Kino, ihr Theater aus eigener, sehr klammer Tasche umgebaut haben. Man bestraft die, die wirklich etwas getan haben, die das Hygienekonzept gezielt umgesetzt und vor allem beachtet haben.

Man bestraft die, die einer Verbreitung des Virus aktiv entgegen gewirkt haben. Man bestraft die, die ihre Kunst bereits über Monate kostenlos im Internet streamen, weil sie für gute Stimmung sorgen wollen, aber nicht mehr öffentlich auftreten dürfen.
Das ist in etwa so, als würde man das Fahrradfahren verbieten, weil auf den Straßen vor lauter dicken SUVs kein Platz mehr ist.

Am falschen Ende angesetzt

Das Thema Corona beschäftigt uns inzwischen mehr als ein halbes Jahr. Doch wenn man ganz genau hinschaut, ist da am Horizont gerade durch die heute getroffenen Maßnahmen so etwas wie ein Silberstreifen am Horizont zu erkennen. Klingt schwer zu glauben, doch erkannte man unsere Politiker durch ihr schnelles und beherztes Handeln zu Beginn der Pandemie kaum wieder, scheinen sie nach Monaten des Aktionismus nun endlich wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Egal, was passiert: Etwas wirklich Neues fällt ihnen nicht ein. Und nein, statt ein Problem wirklich mal anzugehen, verharren sie lieber in alten und bewährten Denkmustern und schustern der Automobilindustrie und der Lufthansa in den nächsten Wochen gerne nochmal einen Wie-für-mich-gemacht-Kredit zusammen.

Die Leiche im Keller

Vor lauter Kopfschütteln kann man sich da doch eigentlich nur fragen: Was wissen die, was wir nicht wissen? Warum kehren unsere Politiker bereits in den alten Modus zurück, der uns schon vor der Pandemie so angestunken hat? Ist das am Ende gar ein erster Schritt zurück in die Normalität?
Es wäre zumindest zu hoffen, wenn das Alles nicht so traurig wäre…

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